Strategie

Wie hoch soll mein Kaufgebot sein? — Strategie

Die Gebotshöhe ist Verhandlung, nicht Würfeln. Wie du Marktwert, Konkurrenz und Verhandlungsspielraum sauber kalibrierst.

von Julian König 7 Min. Lesezeit

Drei Variablen, die deine Gebotshöhe steuern

  1. Marktwert — was vergleichbare Objekte in der Lage tatsächlich erzielt haben. Nicht der Angebotspreis, sondern der realisierte Verkaufspreis.
  2. Konkurrenz — wie viele andere Interessenten realistisch im Spiel sind.
  3. Eigene Schmerzgrenze — wo dein „lieber nicht kaufen als das" liegt.

Marktwert seriös schätzen

  • Bodenrichtwerte: Bei BORIS / VBV (DE), GeoLand (AT), Bundesamt für Statistik (CH).
  • ImmobilienScout24, Immowelt, Comparis: Reale Verkaufspreise (Stichwort „Marktdaten" oder „Wohnpreis-Tracker").
  • Gutachter: 500–1.500 € investiert, bei Objekten ab 400 k € sinnvoll.
  • Notarkammer-Statistiken: Echte beurkundete Preise pro Region.

Konkurrenz einschätzen

Frage den Makler direkt: „Wie viele andere Interessenten haben Sie aktuell?" In der Regel bekommst du eine grobe Antwort. Höchstens 10–15 % der genannten Zahl reichen üblicherweise bis zum Gebot.

  • 0–2 Interessenten: Du bist die Verhandlungsmacht. 5–10 % unter Angebot.
  • 3–7 Interessenten: Konkurrenz steigt. 0–3 % unter Angebot.
  • 8+ Interessenten: Bieterverfahren kommt. Maximales Gebot überlegen.

Deine Schmerzgrenze definieren — bevor du bietest

Setze drei Werte fest, bevor du das erste Gebot abgibst:

  • Wunsch-Preis — was du gerne zahlst.
  • Realistischer Preis — was du wahrscheinlich zahlen wirst.
  • Walk-away-Preis — wo du aufhörst, egal was passiert.

Diese Werte werden nicht dem Makler verraten — sie sind dein Anker, der dich vor Emotional-Überzahlung schützt.

Drei typische Strategien

1. „Test the Water"

5–10 % unter Angebot bieten und auf Reaktion warten. Funktioniert bei wenig nachgefragten Objekten. Riskant bei begehrten — du wirst überholt.

2. „Full Price, kein Verhandlungsspielraum"

Angebotspreis exakt + Finanzierungsbestätigung + früher Notartermin. Signal: ich bin schnell und ernst. Wirkt bei mittlerer Nachfrage.

3. „Closing Offer"

Etwas über Angebot mit klarer Eskalation („ich biete 5 % über Angebot, sofern Sie das Bieterverfahren abkürzen"). Hochrisiko, aber gewinnt bei Top-Lagen Objekten.

Was du NIE tun solltest

  • Dein Erstgebot mit „Verhandlungsspielraum" kommunizieren.
  • Mehrere Objekte gleichzeitig bebieten mit der Absicht, das billigste zu kaufen.
  • Mit emotionalem Druck nach oben gehen, wenn das Bauchgefühl Nein sagt.

Häufige Fragen

Wie viel unter dem Angebotspreis ist realistisch?

In gefragten Lagen 0–3 % unter Angebot, sonst ist die Konkurrenz schneller. In schwächeren Märkten oder bei länger inserierten Objekten sind 5–15 % unter Angebot realistisch. Faustregel: Je länger das Objekt schon online ist, desto mehr Spielraum nach unten.

Soll ich gleich mein „Last Best Offer" reinlegen?

Bei strukturierten Kaufgeboten ohne Bieterwettbewerb: tendenziell ja. Du weißt nicht, wer noch bietet, und kommunizierte „Verhandlungsbereitschaft" wird oft nicht zurückgespielt. Bei einer echten Auktion (Bieterverfahren): nein — dort startet man immer mit dem Mindestgebot.

Wie behandle ich runde Beträge?

Runde Beträge wie 400.000 € wirken willkürlich. Ein Gebot von 405.500 € wirkt durchgerechnet und ernsthaft. Psychologisch schon einen kleinen Vorteil bringt — kostet nichts.

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